Aktivierende und fördernde Unterstützung

Besuche und Einkaufen

Mit dem Kunden Einkaufen gehen oder Besuche mit Angehörigen und Freunden begleiten. Das ist doch kein Problem. Oder vielleicht doch? In diesem Kapitel finden Sie einige Einblicke, warum es so wichtig ist, wie Sie den Kunden möglichst gut begleiten können und worauf dabei geachtet werden sollte. Sowohl das Einkaufen als auch Besuche sind wunderbare Möglichkeiten für den Kunden, wieder am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Ihre Aufgabe ist es, den Kunden hierbei so zu unterstützen, dass ihm dies auch gelingt

Besuche

Besuche stellen einen zentralen Punkt in der Betreuung von älteren Menschen dar. Wir alle wissen, wie wichtig Sozialkontakte sind. Wie schön es ist, sich einmal mit seinen Freunden und Bekannten auszutauschen. Teilhabe an der Gesellschaft und am sozialen Leben ist eines der wirksamsten Mittel gegen Depressionen! Wenn Ihr Kunde nun also nicht mehr selbst Liebsten besuchen kann, können Sie ihm dabei helfen!

Die Vorbereitung: Sprechen Sie mit Ihrem Kunden über seine Wünsche. Wen möchte er treffen und wo er sich mit der Person treffen? Was genau muss dazu vorbereitet werden? Vielleicht möchte Ihr Kunde auch seine liebsten Freunde auf einen Kaffee zu sich nach Hause einladen. Überlegen Sie gemeinsam, was genau für den Besuch benötigt wird und welcher Zeitpunkt geeignet ist.

Haben Sie alles geplant, begleiten Sie Ihren Kunden. Sie übernehmen die Dinge, die Ihr Kunde nicht mehr selbstständig kann. Es kann also sein, dass Sie Ihren Kunden lediglich beim Weg zu seinem Freund / Bekannten unterstützen müssen. Es kann jedoch auch sein, dass Sie bei dem Treffen anwesend sein sollten, um Ihren Kunden (falls nötig) beim Toilettengang zu unterstützen. Sollten Sie beim Treffen anwesend sein, versuchen Sie, sich so gut es geht im Hintergrund zu halten. Wenn es gewünscht ist, setzen Sie sich gerne mit an den Tisch, aber vergessen Sie nicht: Ihr Kunde trifft gerade einen guten Freund, den er womöglich lange nicht gesehen hat! Während des Besuches behalten Sie das Wohlergehen und die Zufriedenheit Ihres Kunden im Blick, ohne sich selbst aufzudrängen.

Positive Effekte

Viele und einige positive Punkte wurden bereits in den Abschnitten benannt – nachfolgend noch einmal eine kurze Übersicht, warum es wichtig und gut ist, dem Kunden soziale Kontakte und Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen:

  1. Einsamkeit wird vermieden und soziale Kontakte verbessern die psychische Gesundheit.
    1. Soziale Kontakte halten gesund (körperlich und geistig)
    1. Durch regelmäßiges Laufen bleiben die körperlichen Fähigkeiten möglichst lange erhalten.
    1. -Verbesserung des Selbstbewusstseins verbessert („Ich kann noch etwas!“)
    1. Durch Gespräche und den Austausch mit anderen Menschen wird auch die geistige Gesundheit verbessert.
    1. Das Ausführen von alltäglichen Aufgaben (wie z. B. Einkaufen) ist eine optimale Möglichkeit, das Gehirn fit zu halten.
    1. Der Kunde wird zufriedener sein, wenn er weiß, dass er manche Dinge noch selbst machen kann.
    1. Der Gang zum Supermarkt kann auch ein Stück Biographiearbeit sein!
    1.  Sich die Punkte auf der Einkaufsliste merken, ist auch Gedächtnistraining.

Diese Auflistung ist sicherlich nicht vollständig. Bestimmt gibt es noch viele Punkte die hier noch ergänzt werden können. Wichtig ist, dass wir einsehen, wie wichtig solche alltäglichen Aufgaben außerhalb des Hauses für den Kunden sind. Der Kunde sollte immer dahingehend unterstützt werden weiterhin aus dem Haus zu gehen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Einkaufen

Einkaufen ist eine Aktivität, die ältere Menschen gerne und meistens so lange wie möglich noch selbst ausführen wollen. Natürlich gibt es Nachbarn oder Einkaufsdienste, die ihre Hilfe anbieten. Selbst mit dem besten Einkaufszettel vergisst man das ein oder andere – das kennen auch aus unserem eigenen Alltag: Wenn man hingegen selbst durch den Markt geht, sieht man unterwegs noch das ein oder andere, dass man noch gebrauchen kann. Genauso geht es den betreuten Personen auch.

Natürlich könnten Sie das Einkaufen übernehmen, sicherlich würden Sie dies auch gerne tun. Aber vergessen Sie nicht, dass Sie Ihrem Kunden mit der Übernahme von Aufgaben auch immer ein Stückchen Selbstständigkeit wegnehmen. Und das ist gerade ein ganz großes Stück Lebensqualität. Überlegen Sie vorab, wie ich sie ihren Kunden begleiten können, um seine Selbstständigkeit zu fördern und er diese so lange wie möglich aufrechthalten kann.

Die Vorbereitung: Äußert Ihr Kunde den Wunsch, einkaufen zu gehen, sollten Sie sich vorab einige Gedanken machen, ob und wie es für den Kunden machbar ist.

Körperliche Fähigkeiten: Überlegen Sie zunächst, ob und wie ihr Kunde körperlich dazu in der Lage ist, einkaufen zu gehen. Dafür beantworten Sie für sich selbst einige Fragen.

  • Wie weit ist das Geschäft entfernt und können wir das Geschäft zu Fuß erreichen? Wenn nein: Darf ich meinen Kunden mit dem Auto dorthin fahren? (Stichwort Versicherung!)
    • Können wir öffentliche Verkehrsmittel nutzen? Wenn ja: Wer zahlt diese?
    • Kann mein Kunde in das Auto ein- und aussteigen?
    • Benötigt mein Kunde zum sicheren Laufen Hilfsmittel, wenn ja welche? Muss ich eventuell einen Rollstuhl besorgen/mitnehmen?
    • Kann mein Kunde ausreichend sehen, um den Einkaufszettel zu lesen, oder muss ich das für ihn übernehmen?

Geistige Fähigkeiten: Neben den körperlichen Fähigkeiten sollten Sie auch über die geistigen Fähigkeiten Ihres Kunden nachdenken. Vor allem für ältere Menschen, die ihr Haus schon lange nicht mehr verlassen haben, kann ein Einkauf sehr herausfordernd und anstrengend sein. Auch für Kunden mit beginnenden Demenzerkrankungen kann ein Einkauf eine Überforderung darstellen. All die Menschen, Geräusche und Eindrücke – können einen Menschen mit Demenz (schon mal) überfordern. Für andere Menschen mit Demenz kann es hingegen eine tolle Abwechslung sein und sie genießen es, beim Einkauf Bekannte aus früheren Zeiten zu treffen. Sie sehen, diese Frage ist sehr individuell. Auch hier sollten Sie sich ein paar Fragen vorab stellen:

  • Geht mein Kunde regelmäßig raus?
  • Hat mein Kunde Probleme mit dem Gedächtnis?
  • Ist mein Kunde noch vollständig orientiert?
  • Kann mein Kunde mit Menschenmassen umgehen, oder sollte ich einen Zeitpunkt wählen, zu dem nicht so viele andere Menschen einkaufen?

Diese Einschätzung ist sicherlich deutlich schwieriger als die der körperlichen Fähigkeiten. Wenn Sie sich nicht sicher sind, sprechen Sie mit den Angehörigen und Ihren Kollegen. Oftmals ist man überrascht, wie positiv sich ein Einkauf und das Treffen von anderen Menschen auf das Wohlbefinden der betreuten Person auswirken. Bei einigen Kunden ist aber auch genau das Gegenteil der Fall. Wenn Sie sich für den Einkauf entscheiden, sollten Sie alles vorab im Kopf durchspielen. Wobei benötigt mein Kunde Hilfe? Wie möchte ich ihn unterstützen? Bei der Unterstützung beim Einkaufen gilt derselbe Grundsatz wie bei allen anderen Aktivitäten: So viel wie nötig, so wenig wie möglich! Sie sollten Ihren Kunden also natürlich unterstützen, damit nichts passiert. Ihr Kunde ist aber der „König“, der bestimmt, was und wie es gemacht wird. Sprechen Sie mit Ihrem Kunden über seine Wünsche und Erwartungen und wie Sie ihm bei der Durchführung helfen können.

Geschichten vorlesen

Vorlesen das kann doch jeder! Ist das denn wirklich so? Bestimmt haben Sie auch schon mal gemerkt, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, einem ihrer Kunden etwas vorzulesen. Mal scheint der Kunde überhaupt nicht zuzuhören ein anderes Mal steht die betreuende Person einfach auf und läuft umher. Und wieder ein anderes Mal lesen sie etwas vor und der Kunde fragt nach kurzer Zeit etwas, was vielleicht mit der Geschichte nichts zu tun hat. Das kann sehr frustrierend sein. Auch bei der Auswahl des Buches ertappt man sich oft selbst bei der Frage: Welches nehme ich denn schließlich habe nicht die Auswahl wie in einer Bibliothek zu Hause? In diesem Themenabschnitt geben wir Ihnen Tipps und Tricks an die Hand wie Sie passende Geschichten zum Vorlesen finden können und was es beim Vorlesen alles zu beachten gibt.

Wie wähle ich das passende Buch aus?

Die richtige Auswahl der Lektüre ist entscheidend für das gute Gelingen des Vorlesens. Finden Sie ein Buch passend oder gut, muss Ihr Kunde das noch lange nicht genauso sehen. Wie um alles in der Welt finden Sie passende Geschichte?

Biografie: Der erste Schlüssel ist (wie immer) die Biografie. Wenn man weiß, was der Kunde früher gerne gelesen hat, ist es leichter ein passendes Buch zu finden. Hat der Kunde sogar ein Lieblingsbuch? Es gibt auch Menschen, die nie Bücher, aber täglich die Tageszeitung gelesen haben. Selbstverständlich können Sie Ihrem Kunden auch aus der Zeitung vorlesen. Dabei sollte auch an die Vorlieben gedacht werden: Welchen Teil der Zeitung mag mein Kunde besonders (Lokal-, Sport-Teil oder vielleicht sogar die Todesanzeigen)?

Die geistigen Fähigkeiten sind auch ein elementarer Faktor. Vor allem bei älteren Kunden, die schon einige Erkrankungen haben, kann das Vorlesen schwieriger sein. Oft können sich die Kunden dann nicht mehr so lange konzentrieren. Zudem lässt das Verständnis von komplizierten Texten dann nach. Kurze und simpel geschriebene Texte können Ihnen helfen.

Auch der Intellekt spielt bei der Auswahl eine Rolle: Wenn ihr Kunde Professor der Germanistik ist, wird er wahrscheinlich andere Texte mögen als Kunden mit handwerklichen Berufen (Fliesenleger, Installateuren etc.). Jedoch liest nicht jeder Studierte ausschließlich hochwissenschaftliche Texte. Sprechen Sie mit Ihren Kunden, um ihre Wünsche zu erfahren.

„Kurz und knackig“ oder „In der Kürze liegt die Würze“: Es ist sehr schwer, einer Geschichte zu folgen, wenn man sie nicht selbst liest. Probieren Sie es einfach mal aus, indem Sie sich eine Geschichte vorlesen lassen. Achten Sie also darauf, dass die Geschichte oder der Zeitungsartikel nicht zu lang sind.

Ist die Geschichte zu Ende – was dann? Verwenden und nutzen Sie das Vorgelesene, um mit Ihrem ins Gespräch zu kommen. Was hat Ihrem Kunden an der Geschichte besonders gefallen? Hat er vielleicht auch schon einmal so etwas erlebt wie in der Geschichte? Woran kann er sich noch erinnern?

Wie lese ich richtig vor?

Gerade bei älteren Kunden, die die unterschiedlichsten Erkrankungen haben, gibt es einiges zu beachten:

Ein entscheidender Punkt beim Vorlesen ist die Umgebung. Möchten Sie zu Hause gemütlich ein Buch lesen, achten sie selbst darauf, dass sie bequem + warm sitzen und das etwas zu trinken in der Nähe steht. Vereinfacht gesagt gilt das auch so für Ihre Zuhörer. Der Kunde sollte bequem sitzen oder liegen und in der Nähe alles haben, was er braucht. Fragen sie ruhig aktiv nach, wo ihr Kunde früher gerne gelesen hat. Vielleicht fand er es besonders schön dabei im Garten zu sitzen und sich die Sonne ins Gemüt scheinen zu lassen. Vielleicht gibt es auch eine gemütliche Leseecke in einem anderen Zimmer. Versuchen Sie, diese biografischen Hintergründe herauszufinden. Des Weiteren sollte die Umgebung ruhig sein, damit diese die Konzentration auf die Geschichte zulässt. Hintergrundgeräusche (Radio, ein laufender Staubsauger etc.) können schnell ablenken und der Kunde kann sich nicht mehr auf die Geschichte konzentrieren. Zuvor sollte auch überlegt werden, was mit dem Vorlesen erreicht werden möchte. Bei einer „Gute-Nacht-Geschichte“ kann es helfen, das Licht etwas zu dimmen. Möchten Sie, dass Ihr Zuhörer aufmerksam den Worten lauscht, kann es helfen, das Licht anzumachen. Natürlich gibt es Kunden, die aufgrund einer Demenzerkrankung nicht lange sitzen können und immer wieder aufstehen. Es bringt hier nichts, den Kunden dazu zu zwingen, sitzen zu bleiben. Stattdessen könnten Sie versuchen, die Geschichte an ihn und seine Bedürfnisse anzupassen. Es gibt z. B. Tafeln, auf denen Bilder und kurze Stücke eines Märchens geschrieben stehen. Diese könnten Sie in der Wohnung verteilen und mit Ihrem Kunden von einer Tafel zur nächsten gehen. Ihr Kunde kann so seinen „Bewegungs- / Laufdrang“ ausleben und hat trotzdem die Möglichkeit, eine Geschichte zu hören.

Nachdem Sie sich jetzt schon um die passende Umgebung gekümmert haben, geht es nun um die Lautstärke. Wie finde ich heraus, wie laut ich vorlesen muss? Auf diese Frage gibt es keine allgemeine Antwort. Wie Sie wissen, hören viele Menschen im Alter schlechter. Passen Sie Ihre Lautstärke beim Vorlesen also den Fähigkeiten Ihres Kunden an. Wenn Ihr Kunde schwerhörig ist, müssen Sie etwas lauter vorlesen. Hört Ihr Kunde noch einwandfrei, ist dies nicht zwingend notwendig.

Der Ton macht die Musik: Haben Sie schon einmal Kinder beobachtet, die eine Geschichte vorgelesen bekommen? Wahrscheinlich ist Ihnen dabei auch aufgefallen, dass die Kinder besser zuhören, wenn die Geschichte lebendig vorgelesen wird. Hierbei kann es helfen, für die verschiedenen Personen in der Geschichte unterschiedliche Stimmen zu verwenden. Der Opa wird also zum Beispiel mit einer tiefen, langsamen Stimme vorgelesen. Sein Enkel bekommt von Ihnen eine helle, quirlige Stimme. Hierdurch wird die Geschichte lebendig und Ihr Kunde wird Ihnen gerne zuhören. Dazu sollten Sie auf allgemeine Betonungen achten: Bei einem Fragezeichen geht die Stimme nach oben, bei einem Gedankenstrich macht man eine kleine Pause usw.

Damit das alles gelingt ist es wichtig, dass sie die Geschichte vorher kennen. Um eine Geschichte lebendig vorlesen zu können, müssen Sie wissen, was Sie eigentlich vorlesen. Lesen Sie sich die Geschichte vorab also unbedingt in Ruhe durch!

Mimik und Gestik: Um das Gelesene noch lebendiger zu gestalten, können Sie auch Ihre Gesichtszüge oder die Hände mit einbeziehen. Natürlich sollte das nicht übertrieben oder aufgesetzt wirken. Aber ein bisschen mimische Unterstützung macht die Geschichte gleich viel spannender. Stellen Sie sich ruhig einmal zu Hause vor den Spiegel und üben Sie.

Fazit und Zusammengefasst:

Machen Sie es sich und Ihrem Kunden gemütlich. Es sollte ruhig sein, damit Ihr Kunde sich konzentrieren kann. Behalten Sie beim Ort des Vorlesens die biografischen Wünsche des Kunden im Hinterkopf. Achten Sie auf die richtige Beleuchtung. Passen Sie das Vorlesen an die Fähigkeiten des Kunden an. Passen Sie die Lautstärke des Vorlesens an den Kunden an. Lesen Sie die Geschichte lebendig vor. Nutzen Sie unterschiedliche Stimmen für die Personen in der Geschichte. Lesen Sie sich die Geschichte vorab gut durch und Unterstützen Sie das Vorlesen durch Mimik und Gestik.

Basteln und Spielen

Was kann man alles mit dem Kunden machen: Etwas spielen oder gemeinsam basteln hört man oft als Antwort. Ist das wirklich so einfach? Auf den nächsten Seiten bekommen Sie einen Einblick in unterschiedliche Bastel- und Spielmöglichkeiten und Tipps was Sie dabei beachten müssen.

Basteln

Es gibt viele ältere Menschen die gerne basteln. Warum ist das so? Es macht glücklich, wenn man das Gefühl bekommt, selbst noch etwas „erschaffen“ zu können. Des Weiteren sind viele ältere Menschen stolz, wenn sie an sich selbst ungeahnte Fähigkeiten entdecken. Ihre Aufgabe in diesem Themenbereich ist es das Basteln gemeinsam auszuführen und vorher zusammen mit ihrem Kunden eine geeignete Bastelaktivität auszuwählen. Wobei hierauf geachtet werden sollten erfahren Sie in dem folgenden Abschnitt.

Auswahl der richtigen Bastelaktivität

Fähigkeiten des Kunden: Wie auch bei den Spielen im nachfolgenden Text sind die Fähigkeiten des Kunden wichtig bei der Auswahl einer Bastelaktivität. Achten Sie darauf achten, dass Ihr Kunde nicht überfordert wird. Allerdings sollte Ihr Kunde sich bei der gewählten Aktivität auch nicht langweilen. Die wichtige Essenz daraus ist das Ergebnis: Dass sie etwas „erschaffen“ bzw. eine Sache „herstellen“ und dieses dann gemeinsam mit Ihrem Kunden bewundern können. Zudem kann Ihr Kunde es seinen Angehörigen zeigen oder sogar verschenken. Das macht glücklich und hebt das Selbstbewusstsein.

Das wichtigste Auswahl Kriterium ist, dass Ihr Kunde die gewählte Aktivität schafft. Wählen Sie deshalb eine Bastelaktivität, die Ihrem Kunden Spaß macht und die er körperlich und geistig umsetzen kann. Es ist nichts schlimmer, wenn es keinen Spaß macht, aber allem vorab wenn Ihr Kunde alles genervt wegwirft, weil er es nicht schafft. Achten Sie sowohl auf die geistigen als auch auf die körperlichen Fähigkeiten. Die Feinmotorik ist im Alter häufig eingeschränkt, so dass zum Beispiel feingliedrige kleine Aufgaben nur noch schwer umgesetzt werden können. Hinzu kommt, dass die Muskelkraft und das Sehvermögen abnehmen. Stickarbeiten bei Frauen oder Holzarbeiten bei Männern, waren früher vielleicht selbstverständlich und gingen einfach von der Hand– heute können diese schwer werden. Geistige Fähigkeiten spielen beim Basteln auch eine große Rolle. Ein dementer Kunde wird vermutlich keine komplizierte Bastelaktivität, wie das Bauen eines Vogelhauses, schaffen. Sachen aufzukleben oder ein Bild zu malen, sind allerdings meist noch lange möglich.

Wie bei allen Aktivitäten sollten sie auch beim Basteln die individuelle Biografie beachten. Wenn Ihr Kunde immer gerne gemalt hat, wird er das wahrscheinlich auch im Alter noch mit Vorliebe tun. Es gibt auch Senioren oder Kunden, die erst jetzt mit zunehmendem Alter besonders gerne Malen, weil sie früher nie die nötige Zeit und Muße hatten. Ein ausgebildeter Schreiner wird im Alter bestimmt ebenso gut und auch gerne noch mit Holz arbeiten wollen und umgehen können. Besprechen Sie die Eckpunkte immer offen und vor der Umsetzung mit Ihrem Kunden ab.

Der Zeitfaktor sollten wie bei allen Aktivitäten immer im Auge behalten werden. Beim Basteln ist es möglich, etwas auf mehrere Termine aufzuteilen. Wenn Sie beispielsweise mit Ihrem Kunden eine Collage Arbeit malen wollen, könnten Sie am ersten Tag den Hintergrund malen und am nächsten Tag Figuren und Teile ausschneiden und aufkleben aufmalen. Planen Sie die Arbeitsschritte gut und vorausschauend!

Anpassbarkeit:  Überlegen vorab, wie Sie eine bestimmte Basteltechnik anpassen können. Welche Arbeitsschritte können Sie übernehmen oder vorbereiten. Es ist beispielsweise viel einfacher, etwas Aufgemaltes auszuschneiden, als selbst eine Schablone anzufertigen, diese aufzuzeichnen und erst dann auszuschneiden.

Die richtige Vorbereitung

Wie auch beim Kochen beeinflusst die Vorbereitung das Gelingen der Bastelaktivität. Haben Sie zusammen mit dem Kunden eine geeignete Technik ausgesucht, gibt es noch ein paar Dinge zu berücksichtigen.

  • Machen Sie sich vertraut mit der Basteltechnik und überlegen Sie, ob Sie die Technik oder die Aktivität anpassen müssen. Sollte dies der Fall sein überlegen Sie wie dies umsetzten. Müssen mehr Sachen vorbereitet oder vielleicht einfachere Vorgaben ausgewählt werden? Probieren Sie gegebenenfalls die Basteltechnik vorher in Ruhe aus, damit Sie sich bei der Umsetzung sicher fühlen.
    • Besprechen Sie gemeinsam, ob Ihr Kunde das benötigte Material zu Hause hat oder ob Sie es mitbringen sollen. Sie können eventuell eine Vorlage vorbereiten, an der sich Ihr Kunde orientieren kann.
    • Überlegen Sie sich einen Fahrplan, wie Sie Ihren Kunden unterstützen können, wenn er etwas nicht hinbekommt. Außerdem dem könnten Sie in Betracht ziehen, ob Sie allein mit dem Kunden basteln oder ob eine weitere Person mitmacht.

Durchführung

Ist alles vorbereitet kann es losgehen mit der Umsetzung. Was müssen Sie hierbei beachten?

  • Legen Sie alle Materialien und Utensilien bereit, die Sie zum Basteln brauchen.
    • Erklären Sie den Ablauf. Was ist das heutige Ziel und wie lange haben Sie Zeit.
    • Besprechen Sie gemeinsam die Teilschritte der Bastelaktivität: Worauf muss man achten und was muss man zuerst machen?
    • Auch hier gilt: So viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich. Unterstützen Sie, wenn nötig, aber nehmen Sie dem Kunden nicht zu viel ab. Versuchen Sie auch ihn nicht zu bevormunden.
    • Runden Sie die Aktivität ab und machen Sie eine Absprache für das nächste Treffen: Wie weit sind Sie gekommen? Wie wollen Sie beim nächsten Treffen weitermachen? Wie hat es Ihrem Kunden gefallen?

Ideen für Bastelaktivitäten

In der folgenden Aufstellung finden Sie einige Ideen was man basteln könnte und wie man es gestalten kann. Bitte bedenken Sie: Diese ist sicherlich nicht vollständig und dient in erster Linie zur Anregung der Kreativität und Entscheidungshilfe. Gegliedert ist sie in folgende Punkte:

  1. Bastelaktivität
  2. Möglichkeiten
  3. Was muss mein Kunde können
  4. Anpassungsmöglichkeiten
  1. Wasserfarbe und Acrylmalerei
  2. Kreatives, freies Malen
  3. Einen Pinsel halten können
  4. Einfache Tätigkeit, Sie können alle Teilschritte unterstützen, so dass der Kunde z.B. nur noch mit dem Pinsel auf das Papier malen muss
  1. Stricken und andere Handarbeiten
  2. Socken, Schals etc. stricken, Kleidung nähen, Kleidung reparieren, Kissen und Tücher besticken
  3. Erfahrung mit Handarbeiten + den Techniken, gute Feinmotorik, beim Nähen + Sticken gute Sehkraft
  4. Teilschritte übernehmen, generell wenig Anpassungsmöglichkeiten


  5. Specksteinarbeiten
  6. Herstellen von Figuren und Gegenständen
  7. Ausreichende Feinmotorik und Handkraft, gutes Vorstellungsvermögen (was soll es mal werden?), mit Werkzeug umgehen können
  8. Wenig Anpassungsmöglichkeiten, eventuell gemeinsam am Stein arbeiten
  1. Mit Pappe gestalten (schneiden, kleben, malen, z. B. Fensterbilder)
  2. Fensterbilder herstellen – Jahreszeitliche Dekoration – Türdekorationen
  3. je nach Aufgabe: gute Feinmotorik, ausreichende Handkraft + Sehkraft
  4. Nur Teilschritte vom Kunden erledigen lassen: einfache Vorlagen aussuchen – Farben mit ausreichenden Kontrasten
  1. Serviettentechnik
  2. Gestalten von Teelichthaltern, Verzieren von Gläsern, Tellern und anderen Gegenständen
  3. Gute Feinmotorik, gutes Konzentrationsvermögen und ausreichende Sehkraft
  4. Sie können die Servietten schon vorbereiten
  1. Karten basteln
  2. Diverse kreative Möglichkeiten: Grußkarten zu gestalten – selbst malen oder schreiben, Dinge aufkleben usw.
  3. Hohe Kreativität, ausreichende Feinmotorik
  4. Gestalten Sie eine Karte als Vorlage
  1. Window Color
  2. Fensterbilder gestalten
  3. Eine gewisse Kraft in der Hand muss da sein sowie ausreichende Feinmotorik, kein zu starkes Zittern in der Hand, Konzentrationsfähigkeiten, ausreichendes Sehvermögen
  4. Sie können die Konturen vormalen, sie können den Kunden beim Halten der Farbtube unterstützen

  1. Seidenmalerei
  2. Tücher, Schals etc. bemalen, schnelle Erfolgserlebnisse, wenig Können notwendig, viel Material notwendig (Spannrahmen, spezielle Farbe, Pinsel etc.)
  3. Pinsel halten können
  4. Im Prinzip können Sie alle Schritte übernehmen bis hin zum Eintunken des Pinsels in die Farbe. Ihr Kunde muss dann nur noch selbst den Pinsel über das Tuch bewegen.
  1. Holz gestalten/ etwas bauen
  2. Etwas neu erschaffen (z. B. Vogelhaus bauen, Hochbeet bauen), Fertige Holzgegenstände bemalen, Vorhandenes reparieren (z. B. einen Schrank, bei dem ein Regalboden herausgebrochen ist)
  3. Räumliches Vorstellungsvermögen, ausreichend Erfahrung, Kraft und Feinmotorik, Wissen zu den unterschiedlichen Werkzeugen und deren Nutzung
  4. Mit guten Anleitungen arbeiten, bei Kraftdefizit eher kleinere Dinge bauen, je nach Einschränkung vorgefertigte Bausätze nutzen, anstatt z. B. selbst zu sägen

Spielen

Gesellschaftsspiele: Manche Menschen lieben es, andere kann man damit jagen. Wie finden Sie für Ihren Kunden das passende Spiel. Welches Spiel ist überhaupt für wen geeignet ist. Das erfahren Sie auf den nächsten Seiten.

Auswahl des richtigen Spiels
Die Auswahl des Spiels hängt wie bei den Bastelaktivitäten von unterschiedlichen Faktoren ab:

Fähigkeiten des Kunden: Man sollte ein Spiel immer mit Blick auf die Fähigkeiten des Kunden auswählen. Es ist für den Kunden sehr frustrierend, wenn er etwas körperlich oder geistig nicht (mehr) kann. Wenn man im Spiel immer und immer wieder auf das Nicht-Können hingewiesen wird, verliert man schnell die Lust. Achten Sie deshalb bei der Auswahl des Spiels auf die Fähigkeiten Ihres Kunden. Wenn sich Ihr Kunde beispielsweise nicht mehr gut konzentrieren kann, sollten Sie kein wahnsinnig kompliziertes, langatmiges Spiel auswählen. Wenn Ihr Kunde dement ist, sollten Sie auf ein Spiel zurückgreifen, das er kennt. Und wenn Ihr Kunde durch eine Erkrankung die Hände nur schlecht bewegen kann, sollten Sie kein Spiel wählen, bei dem man z. B. kleine Figuren greifen muss.

Biografie: Ihr Kunde hat früher immer gerne Halma gespielt und würde das auch heute noch gerne tun? Wunderbar. So einfach kann es sein. Nicht immer ist es allerdings so einfach herauszufinden, welche Spiele Ihr Kunde kennt und mag. Suchen Sie hierfür das Gespräch. Manchmal können auch die Angehörigen bei der Auswahl eines Spiels helfen.

Zeitfaktor: Wie auch beim Basteln ein wichtiger Faktor vor allem bei der Spiel-Auswahl. Stehen nur 20 Minuten Zeit zur Verfügung sollten ein Spiel ausgewählt werden, dass in der zur Verfügung stehende Zeit zu Ende gespielt werden kann. Auch die Konzentration Ihres Kunden spielt in dem Zusammenhang eine Rolle. Viele ältere Menschen können sich nicht mehr so lange konzentrieren. Vier Stunden lang „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen, wird da wahrscheinlich schwierig.

Anpassbarkeit Ihr Kunde hat früher gerne „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt, kann aber jetzt die kleinen Figuren nicht mehr greifen? Überlegen Sie sich vorab, ob und wie Sie ein Spiel anpassen können. Vielleicht finden Sie ein Spiel mit größeren Figuren. Vielleicht können Sie auch selbst etwas basteln. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Die richtige Vorbereitung
Die richtige Vorbereitung beeinflusst das Gelingen einer Spielaktivität. Wenn Sie gemeinsam mit dem Kunden ein geeignetes Spiel ausgesucht haben, gibt es wie beim Basteln noch einige Dinge zu beachten.

  • Machen Sie sich mit den Regeln des Spiels vertraut und überlegen Sie, ob Sie das Spiel anpassen müssen und wenn ja, wie (Länge, Regeln, Größe der Figuren usw.). Spielen Sie das Spiel (wenn nötig) vorab einmal mit einem Kollegen durch, damit Sie es sicher beherrschen.
    • Besprechen Sie mit dem Kunden, ob er das Spiel zu Hause hat oder ob Sie es mitbringen sollen.
    • Überlegen Sie sich eine Taktik oder Strategie, wie Sie Ihren Kunden unterstützen können, wenn er das Spiel nicht wie erwartet hinbekommt und ziehen Sie in Betracht, ob Sie allein mit dem Kunden spielen oder ob eine weitere Person mitspielt.
    • Bereiten Sie ggf. einen kleinen Gewinn vor. Das erhöht die Motivation.

Durchführung

Ist alles vorbereitet kann es losgehen. Was müssen sie bei der Umsetzung beachten?

  • Legen Sie alles bereit, was Sie für das Spiel brauchen.
    • Erklären Sie dem Kunden den Ablauf. Wie lange haben Sie Zeit, was ist das heutige Ziel usw.?
    • Besprechen Sie mit dem Kunden die Regeln. Beherrscht Ihr Kunde die Regeln? Wenn ja, lassen Sie sich die Regeln gerne erklären. Wenn der Kunde andere Regeln kennt als Sie, sollten Sie dies mit ihm besprechen und eine gemeinsame Lösung finden.
    • Bauen Sie gemeinsam das Spiel auf
    • Auch hier gilt: so viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich. Unterstützen Sie Ihren Kunden – wenn nötig. Nehmen Sie dem Kunden aber nicht zu viel ab. Versuchen Sie, ihn nicht zu bevormunden.
    • Runden Sie die Aktivität ab und machen Sie eine Absprache für das nächste Treffen: Wie hat es dem Kunden gefallen? Was möchte der Kunde beim nächsten Treffen spielen?

Ideen für Spiele

Nicht immer hat der Kunde eigene Ideen. Die folgende Aufstellung kann Ihnen Hilfestellung bei der Suche eines passenden Spieles geben. Bitte bedenken Sie: Diese ist sicherlich nicht vollständig und dient in erster Linie zur Anregung und auch Entscheidungshilfe. Gegliedert ist sie in folgende Punkte:

  1. Name des Spiels
  2. Was muss mein Kunde können
  3. Anpassungsmöglichkeiten


  1. Halli Galli
  2. muss vorher nicht bekannt sein, einfach zu verstehen, steigert Wachheit und Konzentration, hoher Spaßfaktor durch die Klingel
  3. Geschwindigkeit richtet sich nach den Mitspielern

  4. Kartenspiele
  5. gutes Regelverständnis und Konzentrationsvermögen, im Idealfall ist das Spiel von früher bekannt, muss Karten erkennen und halten können, je nach Spiel: relativ schnelle Reaktionsfähigkeit
  6. „Offen“ spielen, so dass man beim Legen der Karten helfen kann, ggf. Kartengreifhilfen benutzen (im Sanitätshaus), eventuell auf einfachere Spiele mit höheren Kontrasten bei den Karten zurückgreifen (z. B. UNO)

  7. Scrabble
  8. Schreiben, gute Konzentration und Regelverständnis
  9. Größere Scrabble Steine bei Sehproblemen, gemeinsam nach Wörtern suchen
  1. Schach
  2. gutes Regelverständnis und Konzentration, im Idealfall bekannt von früher
  3. wenig Anpassungsmöglichkeiten – eventuell größere Figuren zum besseren Greifen
  1. Memory
  2. muss sich Sachen halbwegs merken können, gute Konzentrationsfähigkeit, ausreichendes Sehvermögen, Regeln verstehen
  3. Wenn jemand schlecht sieht eventuell ein Tastmemory verwenden, weniger Pärchen nutzen, um das Spiel einfacher und kürzer zu gestalten, Bilder mit hohen Kontrasten nutzen

  4. Mensch ärgere dich nicht
  5. Würfeln und Augen auf dem Würfel zählen, Figuren greifen, Punkte abzählen, Regeln beherrschen, sich mind. 20 Minuten konzentrieren,
  6. Vergrößertes Spiel bei Greifschwierigkeiten oder schlechtem Sehvermögen, weniger Figuren, um das Spiel kürzer zu halten, größerer Würfel bei Greifschwierigkeiten oder Problemen beim Sehen

Sie sehen, es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit Ihren Kunden zu spielen und zu basteln. Bleiben Sie kreativ bei der Auswahl der Aktivität. Bestimmt fallen Ihnen auch noch einige Aktivitäten und Anpassungsmöglichkeiten ein.

Musik in der Seniorenarbeit

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum!“

Das Nietzsche-Zitat gehört wohl zu den beliebtesten Zitaten überhaupt, vor allem wenn es darum geht, Ungläubige und Banausen mit der Autorität des Philosophen von der Bedeutsamkeit der Musik zu überzeugen. Und dieses Zitat passt wunderbar zum nächsten Thema. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, welchen großen Einfluss die Musik auf uns hat. Sind wir gut gelaunt und hören dabei unser Lieblingslied, kann es passieren, dass wir lachend durch den Raum tanzen. Sind wir traurig, sitzen allein zuhause und lauschen langsamen Balladen, wird unsere Laune vermutlich nicht besser. Musik beeinflusst also unsere Stimmung und das Wohlergehen. Bestimmte Lieder erinnern uns an bestimmte Erlebnisse. Und so ist es auch bei unseren Kunden. Wie kann man Musik also gezielt in die Alltagsbegleitung und bei Besuchen einbauen, damit es den betreuten Kunden besser geht?

Ziele

Die Musik in der Seniorenarbeit kann ganz unterschiedliche Ziele haben. Man kann versuchen, durch bestimmte Lieder Erinnerungspflege oder Biographiearbeit zu betreiben. Versuchen Sie über bestimmte Lieder bei Ihrem Kunden Erinnerungen wach zu rufen und darüber ins Gespräch zu kommen. Auch eine Art Gedächtnistraining kann damit betrieben werden, wenn durch bekannte oder emotional wichtige Lieder das Gedächtnis in Schwung gebracht wird. Vielleicht erinnert sich der Kunde noch an den gesamten Text? Des Weiteren können Sie versuchen, die Stimmung zu beeinflussen. Singen Sie gemeinsam fröhliche Lieder und heben damit die Stimmung ins Positive. Auch in der Trauerbewältigung oder Palliativbetreuung kann Musik hilfreich sein. Wenn Ihr Kunde einen wichtigen Menschen verloren hat, kann es helfen, bestimmte Lieder gemeinsam zu hören und sich über den Verstorbenen auszutauschen. Als Einstieg in das Gespräch kann die Musik genutzt werden – danach schenken Sie dem Kunden Ihr offenes Ohr.

Vorteile der Beschäftigung mit Musik

Warum sollte man Beschäftigung mit Musik durchführen? Weil Musik unsere Herzen öffnet und das was für uns selbst gilt, gilt auch für die Kunden. Bei keiner andere Beschäftigungsform in der täglichen Arbeit fällt auf, dass Emotionen der Kunden so verstärkt werden, wie bei der Beschäftigung mit Musik. Dies kann positiv, aber auch negativ sein. Ebenso Emotionen wie Verlust oder Trauer können durch Musik verstärkt werden. Somit sollte gründlich vorab überlegt werden, welches Ziel oder was Sie genau durch die Musik erreichen wollen. Zudem sollte man sich auch im Vorfeld Gedanken machen, wie man reagiert, wenn Emotionen, wie z. B. Trauer, ausgelöst werden. Sie sollten Ihren Kunden dann besonders begleiten und versuchen, das Gespräch zu suchen. Wenn Ihr Kunde darüber nicht reden möchte, ist das auch in Ordnung. Fragen Sie Ihren Kunden, ob er das Lied weiter hören möchte oder lieber ein anderes Lied. Seien Sie sich bewusst sein, dass auch Menschen mit Demenz oft sehr stark auf Musik reagieren. Menschen mit Demenz, die nicht mehr reden, können unter Umständen ganze Lieder mitsingen. Das liegt daran, dass Musik an vielen unterschiedlichen Bereichen des Gehirns ansetzt. Meist hängen an bestimmten Liedern viele Erinnerungen und Emotionen. Dadurch können sich auch Menschen mit Demenz häufig noch gut an Texte und Melodien erinnern. Es gibt eine Vielzahl an Gründen und unterschiedlichen Möglichkeiten um Musik in der täglichen Arbeit einzusetzen.

Möglichkeiten in der Praxis

Wie sieht die praktische Umsetzung musikalischer Beschäftigung im Alltag aus? Im folgenden Abschnitt finden Sie einen Überblick über die unterschiedlichen musikalischen Beschäftigungsmöglichkeiten

Gemeinsam Musik hören

Wenn Ihr Kunde das möchte, können Sie auch „nur“ gemeinsam Musik hören. Hierbei ist in erster Linie die richtige Musikauswahl entscheidend. Orientieren Sie sich an den Interessen und dem Geschmack des Kunden. Die aktuellen Chart-Hits oder Radio kommen vermutlich nicht bei jedem gleich gut an, deshalb sollten Sie vorher mit dem Kunden über „seine“ Musik reden. Wer ist seine Lieblingssängerin und welchen Musikstil mag der Kunde? Was hat er früher gerne gehört? Hat man dann ein Lied gefunden, können Sie sich dieses gemeinsam anhören. Versuchen Sie anschließend, über dieses Lied zu reden. Warum gefällt ihm dieses Lied so besonders gut und an was erinnert ihn das Lied? An bestimmte Erlebnisse aus der Kindheit / Jugend? Das ist Biographiearbeit mit Hilfe von Musik!

Musik machen

Gemeinsam Musik zu machen, ist ein großer Spaß, da es aktiviert und positive Emotionen auslöst. Je nach der Instrumente-Auswahl kann die Aufgabe leichter oder auch schwieriger sein. Wenn der Kunde früher ein Instrument gespielt hat, kann gemeinsam mit ihm versucht werden das Instrument wieder zu spielen. Allerdings sollte unbedingt auf die Kundenwünsche geachtet werden: Nicht jeder möchte das vielleicht noch einmal versuchen. Ältere Menschen sind oft auch frustriert, wenn sie das Musizieren aus gesundheitlichen Gründen beenden mussten. Möchte der Kunde es allerdings noch einmal probieren, dann ist Ihre Unterstützung gefragt. Besonders förderlich ist es natürlich, wenn Sie das Instrument selbst beherrschen. Sollte das nicht der Fall sein, sollten Sie sich vorab auf jeden Fall ein wenig über das Musik-Instrument informieren. Instrumente wie das Klavier laden besonders zum Ausprobieren und „einfach mal ein bisschen spielen“ ein. Wenn weder der Kunde noch Sie ein Instrument beherrschen oder spielen können, gibt es natürlich trotzdem Möglichkeiten. Simple Rhythmusinstrumente wie Klanghölzer, Rasseln oder kleine Trommeln, die mit den Händen bespielt werden können laden zum Mitmachen ein. Es wirkt sehr anregend und aktivierend, mit einem Rhythmusinstrument ein Lied zu begleiten und hilft gerade deshalb auch Kunden, die sonst eher ruhig und zurückgezogen sind

Singen

Wenn wir an Musik denken, denken wir ans Singen. Auch hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Sie können mit dem Kunden alleine singen, dabei ist natürlich die Liedauswahl entscheidend.

Singen mit Noten und Texten ohne musikalische Begleitung ist auch eine Variante. Eine andere Möglichkeit ist das ausgewählte Lied im Hintergrund mitlaufen zu lassen und dabei zu singen. Ist der Kunde sehr stimmgewaltig, noten- und textsicher sind, kann es auch ausreichen Liedtexte vorzubereiten. Gerade viele ältere Menschen haben in Chören gesungen und können Noten lesen. Musik bzw. Gesang waren in früheren Zeiten meist eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Bei den Liedtexten und Notenzetteln sollte darauf geachtet werden, dass die Schriftgröße ausreichend ist. Im Fachhandel gibt es auch spezielle Liedhefte für Senioren mit großen Texten und Noten. Alternativ können Sie Blätter auch einfach größer kopieren, wenn der Kunde nicht mehr so gut sehen kann

Fühlt der Kunden oder Sie als Betreuer sich nur mit einem Liedblatt unwohl, kann es helfen, das Lied im Hintergrund laufen zu lassen. Der Vorteil ist, dass die Melodie und auch die Instrumente mit abgespielt werden und es meistens leichter ist, den Takt und die Melodie zu halten. Vor allem bei Kunden, die nicht mehr gut reden bzw. singen können, ist es hilfreich, Musik im Hintergrund auf CD laufen zu haben. Ein weiterer Vorteil ist, dass zwischendurch auch jederzeit Pausen einlegt werden können. In einer Senioren-Einrichtung, in der noch andere Bewohner anwesend sind, kann es helfen, diese auch mit einzubeziehen. Singen in der Gemeinschaft löst positive Emotionen aus und stärkt das Wir-Gefühl.

Tanzen oder auch Sitz-Tanzen

Das Tanzen ist eine wichtige Form der Beschäftigung mit Musik. Vor allem bei Senioren hat das Tanzen häufig einen hohen Stellenwert. Damals ging man nicht in die Disco und zappelte vor sich hin. Früher war es üblich, Paartanz zu beherrschen und zu tanzen. Vermutlich ist jeder Senior schon einmal in einer Tanzschule gewesen und oft sind die Bewegungen der unterschiedlichen Tänze noch irgendwo im Unterbewusstsein und warten darauf, geweckt zu werden. Hierfür ist es natürlich wichtig, dass auch Sie die Tanzschritte beherrschen.

Besonders häufig können Senioren folgende Tänze:

  • Foxtrott
  • Langsamer Walzer
  • Wiener Walzer

Weniger bekannt und auch anspruchsvoller sind Tänze wie Jive, ChaChaCha, Boogie und Rock´n Roll.

Sprechen Sie mit Ihrem Kunden über seine „Tanzbiografie“ und überlegen Sie, ob es vielleicht schön wäre, einmal gemeinsam zu tanzen. Wenn Ihr Kunde körperlich schon größere Einschränkungen hat und nicht mehr sicher laufen bzw. tanzen kann, können Sie auf eine andere Form des Tanzens zurückgreifen. Der Sitz-Tanz bietet eine tolle Alternative zum normalen „Paartanz“. Jeder kann mitmachen. Es wirkt sehr aktivierend. Häufig machen Senioren den Sitz-Tanz mit größerer Begeisterung mit als gewöhnliche Gymnastik. Sie können beim Sitz-Tanz dieselben Bewegungen einbauen wie bei der normalen Gymnastik, nur das Ganze als eine Art Choreografie, also eine Bewegungsfolge, die sich immer wieder wiederholt. Dies gibt Sicherheit und macht Spaß. Achten Sie bei der Choreografie darauf, dass die Wechsel nicht zu schnell sind, damit Ihr Kunde problemlos mitmachen kann. Üben Sie die Choreografie anschließend stückchenweise ein. Wenn Ihr Kunde alle Bewegungen kann, nehmen Sie die Musik dazu. Wenn Sie auf www.youtube.com die Wörter „Sitztanz und Senioren“ eingeben, können Sie sich einige tolle Beispiele angucken. Seien Sie kreativ. Vielleicht können Sie sich eine tolle Choreografie zum Lieblingslied Ihres Kunden ausdenken?!

Musik als Gedächtnistraining

Wie bereits erwähnt kann man Musik nutzen, um das Gedächtnis zu trainieren und zu fördern. Eine Möglichkeit ist beim Besuch bei Ihrem Kunden Lieder anzuspielen und ihn erraten zu lassen, welches Lied es ist. Häufig reichen die ersten Sekunden aus, um ein Lied zu erkennen. Anschließend können Sie entweder das Lied weiter hören, es gemeinsam singen oder einfach mit dem nächsten Lied weitermachen. Oder kennen sie das Spiel „Vertellekes“. Bei diesem Spiel gibt es unter anderem auch Karten, auf denen Liedtitel oder Liedzeilen in falscher Reihenfolge oder mit Fehlern auf Karten stehen. Gemeinsam können Sie nun erraten, wo der Fehler ist und wie das Lied richtig geht. Als Hilfestellung könnten Sie das Lied auch anspielen. Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, das Gedächtnis mit Hilfe von Musik zu trainieren.

Auswahl der Lieder 

Entscheidend bei der Arbeit mit Musik ist immer das Liedgut. Beachten Sie dabei, dass die älteren Kunden vermutlich andere Musik mögen und kennen als man selbst. Es gibt es unendlich viele Musikstile, Radiosender und Musiker. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der eine liebt Schlagermusik und die Hitparade, der andere mag es beim Headbangen auf Heavy-Metal-Musik durch die Gegend zu hüpfen. Jeder soll die Musik hören, die er mag. Die Kunden haben auch ihren eigenen Geschmack, denn zu deren Kinder- und Jugendzeiten gab es meist noch nicht eine große Vielfalt an unterschiedlichen Musikstilen und die musikalische Entwicklung verlief deutlich langsamer. Heutzutage haben wir das Internet, damals gab es nur einen Radiosender. Fernsehen gab es meist gar nicht.

Allerdings wurde früher (in Familien und anderen Gemeinschaften) viel mehr gesungen als heute. Anlässe gab es immer: Beim Wandern, bei der Feldarbeit, in der Familie als Abendbeschäftigung oder beim Treffen mit Freunden. Dabei war es natürlich wichtig, Lieder zu singen, die möglichst viele kennen. Natürlich sind auch bei unseren Kunden die Geschmäcker verschieden. Es gibt Kunden, die bevorzugt und gerne Opern hören. Andere lieben Marschmusik. Jeder hat seine eigenen Vorlieben und das ist auch völlig in Ordnung. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Liedern, die fast alle Senioren kennen und auch mögen. Einige bekannte Lieder finden Sie als Anregung aufgelistet:

Volks und Wanderlieder

  • Horch, was kommt von draußen rein?
  • Mein Vater war ein Wandersmann
  • Eine Seefahrt, die ist lustig
  • Bruder Jakob
  • Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus
  • Es klappert die Mühle am rauschenden Bach
  • Im Frühtau zu Berge
  • Hoch auf dem gelben Wagen
  • Das Wandern ist des Müllers Lust
  • Am Brunnen vor dem Tore
  • Schätzchen ade, scheiden tut weh!
  • Ein Jäger aus Kurpfalz
  • Freut euch des Lebens

Jahreszeitliche Musik

  • Summ, summ, summ, Bienchen summ herum
  • Heho, spann den Wagen an
  • Winter ade
  • Es ist ein Ros entsprungen
  • Auf einem Baum ein Kuckuck
  • Der Mai ist gekommen
  • Ich geh mit meiner Laterne
  • Stille Nacht, heilige Nacht
  • Oh Tannenbaum
  • Alle Jahre wieder
  • Im Märzen der Bauer

Kirchenlieder

  • Halleluja
  • Großer Gott, wir loben dich
  • Macht hoch die Tür
  • Ave-Maria

Schlagerhits

  • Griechischer Wein
  • Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett
  • Zwei kleine Italiener
  • Ich will keine Schokolade
  • Weiße Rosen aus Athen
  • Ein Schiff wird kommen
  • Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt

Die 10-Minuten-Aktivierung

Die Betreuung von Menschen mit Demenz ist besonders anspruchsvoll. Wir alle wissen, dass Menschen mit Demenz sich meist nicht mehr lange konzentrieren können. Wir alle wissen auch, dass es dann oft schwierig ist, eine sinnvolle Betreuung umzusetzen. Hier bietet die 10-Minuten-Aktivierung eine sinnvolle Möglichkeit. Auf den nächsten Seiten lernen Sie das Konzept der 10-Minuten-Aktivierung genauer kennen und können es anschließend bei Ihren Kunden umsetzen.

Das Konzept

Die 10-Minuten-Aktivierung wurde in den 90er Jahren von Ute Schmidt-Hackenberg in Deutschland entwickelt. Sie suchte nach einer sinnvollen Beschäftigungsmöglichkeit für Menschen mit Demenz. Außerdem suchte sie nach einer Beschäftigungsmöglichkeit, die auch bei knapper Personalzahl regelmäßig umgesetzt werden kann. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine kurze, maximal 10-minütige Aktivierung. Länger als diese 10 Minuten können sich Menschen mit Demenz häufig nicht konzentrieren. Die 10-Minuten-Aktivierung kann sowohl in der Einzelbetreuung als auch mit einer Gruppe umgesetzt werden. Die 10-Minuten Aktivierung sollte täglich stattfinden. Menschen mit Demenz helfen Routinen und regelmäßige Abläufe.

Der Teilnehmer bekommt einen Gegenstand, den er von früher kennt, in die Hand. Durch diesen Gegenstand werden Erinnerungen geweckt. Es können Gespräche zu diesem Thema entstehen. Durch den Gegenstand sollten unterschiedliche Sinne angesprochen werden. Viele ältere Menschen sehen nicht mehr so gut. Ein Bild von einem Gegenstand ist also nicht besonders zielführend. Einen Gegenstand hingegen anzufassen, zu riechen oder etwas Bekanntes zu schmecken, ruft viel mehr Erinnerungen wach.

Das Konzept nutzt also die kurze Konzentrationsspanne der Menschen mit Demenz optimal aus. Außerdem bietet das Konzept eine wirklich sinnhafte Beschäftigungsmöglichkeit für Menschen mit Demenz. Bevor man also irgendetwas macht, nur um etwas zu machen, sollte man lieber auf dieses kurze, aber sinnvolle Konzept zurückgreifen!

Die wichtigsten Punkte der 10 Minuten Aktivierung im Überblick:

  • Kurze, maximal 10-minütige Aktivierung
  • Vor allem für Menschen mit Demenz
  • Kann in der Gruppen- und Einzelbetreuung stattfinden
  • Sollte täglich und immer ungefähr zur selben Zeit stattfinden
  • Zentraler Punkt ist der „Erinnerungsgegenstand“
  • Der Gegenstand sollte Biografie Bezug haben bzw. zumindest bekannt sein
  • Möglichst mehrere Sinne sollten angesprochen werden

Praktische Umsetzung

Zunächst sollten Sie sich überlegen, ob Sie eine Gruppen- oder Einzelaktivierung durchführen möchten. Dies hängt zum einen von Ihrer Arbeitsstelle ab und zum anderen von der Persönlichkeit und dem Können der Teilnehmer. Einzelaktivierungen sind eigentlich immer möglich. Wichtig ist hierbei vor allem, dass der Kunde wach und möglichst ausgeruht ist was natürlich auch vom Tagesrhythmus abhängt.

Das Timing von Gruppenaktivitäten ist hier schon etwas komplizierter. Einen Zeitpunkt zu finden, an dem mehrere Menschen wach und ausgeruht sind, ist natürlich schwieriger. Am schwierigsten ist hierbei die Gruppenkonstellation. Es sollte eine harmonische Gruppe sein. Meist gelingt dies, wenn die Teilnehmer der Gruppe ein ähnliches Niveau aufweisen, also wenn sie ungefähr gleich viel können. Es ist wahrscheinlich schwierig, eine 10-Minuten-Aktivierung mit zwei Kunden durchzuführen, von denen einer beginnend dement ist und der andere schon so dement ist, dass er nicht mehr reden kann. Außerdem sollten die Interessen oder die Biografien ähnlich sein. Die Gegenstände die ausgewählt werden sollten eine persönliche Bedeutung für die Teilnehmer haben. Das gelingt bei einer Gruppe nur dann, wenn die Teilnehmer sich für dieselben Sachen interessieren. Je nach Gruppengröße besteht die Gefahr, dass man nicht auf jeden Teilnehmer eingehen kann. Es gilt nicht das Prinzip: „Möglichst viele in kurzer Zeit!“ Da es ja sowieso eine kurze Aktivierungszeit ist, können auch mehrere 10-Minuten-Aktivierungen nacheinander durchführen. Empfohlen werden Kleingruppen, das bedeutet: zwei bis maximal fünf Teilnehmer

Vorbereitung

Zu Beginn der Vorbereitungen sollte überlegt werden, zu welchem Thema die 10-Minuten-Aktivierung durchgeführt werden soll. Hier können diese Fragen als Hilfestellung dienen:

  • Welchen Beruf hat mein Kunde früher ausgeübt?
  • Welche Interessen hat mein Kunde?
  • Welche Hobbies?
  • Was ist meinem Kunden wichtig?

Anschließend wählen Sie einen Gegenstand aus, mit dem die 10-Minuten-Aktivierung durchgeführt werden soll. Es hilft, sich im Laufe der Zeit unterschiedlichste Erinnerungsgegenstände anzuschaffen. Je größer die Auswahl, desto leichter und individueller die Gestaltung der 10-Minuten-Aktivierung. Dann sollte überlegt werden, welcher Zeitpunkt besonders gut für die 10-Minuten-Aktivierung geeignet ist. Wann ist der Kunde wach und aufnahmefähig? Macht mein Kunde einen Mittagsschlaf? Wann gibt es Essen? Und dann kann es eigentlich schon losgehen.

Durchführung

Gehen Sie zu Ihrem Kunden hin, geben Sie ihm den Gegenstand in die Hand und sprechen ihn mit Namen an. Dabei achten Sie genau auf die Reaktion. Haben Sie einen Kunden vor sich, der noch reden kann können Sie Fragen stellen: Was kann man damit machen? Was ist das für ein Gegenstand? Haben Sie so etwas auch schon benutzt? Geben Sie dem Kunden genügend Raum zum Antworten. Sie sollten das Gespräch zwar leiten, wenn es stockt, ansonsten bestimmt aber der Teilnehmer, in welche Richtung es geht. Wenn Sie einen Kunden haben, der nicht mehr gut oder gar nicht mehr reden kann, sollten Sie versuchen, die 10-Minuten-Aktivierung möglichst nonverbal stattfinden zu lassen. Sie sollten Ihren Kunden dann nicht vollquatschen, sondern trotzdem versuchen, mit ihm eine Konversation zu führen. Beobachten Sie die Körpersprache. Wenn Ihr Kunde lächelt, lächeln Sie zurück. Wirkt der Kunde traurig, nehmen Sie seine Hand. Einzelne Schlüsselwörter können auch hier das Gefühl des „Verstanden-Werdens“ steigern. Wenn es sich um einen Gegenstand handelt, mit dem man etwas tun kann, können Sie dies auch gemeinsam mit Ihrem Kunden tun. Gemeinsames Tun verbindet. Am Ende verabschieden Sie sich, nehmen den Gegenstand wieder mit und räumen ihn auf. Achten Sie darauf, dass die Aktivität nicht zu lange dauert. Lieber etwas früher und mit einem guten Gefühl beenden, als die Aktivität zu lange fortzuführen.

Ideen

Sicherlich haben Sie jetzt einige Ideen, was Sie mit dem ein oder anderen Kunden machen könnten. Bei manchen Kunden ist es hingegen schwieriger, geeignete Gegenstände zu finden. Vielleicht haben auch die Angehörigen Idee, welche Gegenstände für Ihren Kunden passend sein könnten.

Zunächst ein Überblick der Sinne, die bei der 10-Minuten- Aktivierung angesprochen werden und eine Rolle spielen:

  • Schmecken                                      gustatorisch
  • Hören                                               auditiv
  • Sehen                                                visuell
  • Riechen                                            olfaktorisch
  • Tastsinn / Anfassen                       taktil

In der nachfolgenden Aufstellung finden Sie unterschiedliche Erinnerungsgegenstände nach Themen und Ansprache der Sinne sortiert.

Natur

  • Walnüsse taktil, visuell, gustatorisch
  • Frisches Gras oder Heu taktil, visuell, olfaktorisch
  • Tannenzapfen taktil, visuell, olfaktorisch
  • Kastanien taktil, visuell
  • Herbstlaub taktil, visuell, olfaktorisch

Handwerk & Beruf

  • Füller taktil, visuell
  • Hobel taktil, visuell
  • Hammer taktil, visuell
  • Schreibmaschine taktil, visuell, auditiv
  • Topfpflanze taktil, visuell, olfaktorisch

Kindheit

  • Stofftier taktil, visuell, olfaktorisch (eventuell!)
  • Puppe taktil, visuell
  • Blech- oder Holzspielzeug taktil, visuell
  • Schiefertafel mit Kreide taktil, visuell

Haushalt

  • Waschbrett taktil, visuell
  • Rührbesen taktil, visuell
  • Kuchenform taktil, visuell
  • Bügeleisen taktil, visuell
  • Küchenschürze taktil, visuell
  • Handfeger und Kehrblech taktil, visuell
  • Frisch gebackene Waffel taktil, visuell, gustatorisch, olfaktorisch
  • Alte Kaffeemühle taktil, visuell, auditiv
  • Wäscheklammern taktil, visuell
  • Kartoffeln oder Möhren taktil, visuell, gustatorisch

Diese dienen als Ideen und die Liste ist nicht vollständig. Tipp: Impulse und Anreize für die Suche nach Erinnerungsgegenständen finden Sie auch auf Trödelmärkten